Ergebnisse Fahrradklima-Test des ADFC 2016 (www.fahrradklima-test.de)

Die Ergebnisse der weltweit größten Umfrage zu Radfahrbedingungen vor Ort liegen nun vor. 539 Städte und Gemeinden kamen in die Wertung durch 120.000 Teilnehmer, der Anteil der ADFC-Mitglieder beträgt im Schnitt 18 %. Es ist damit keine Klientel-Umfrage, sondern es werden Menschen erreicht, die regelmäßig Rad fahren.
Der ADFC Rodgau betreut neben Rodgau noch Heusenstamm und Obertshausen, weshalb die Ergebnisse hier gemeinsam dargestellt werden. Während Obertshausen nur leicht anders bewertet wurde (von 3,5 auf 3,4 verbessert), verschlechterte sich Rodgau leicht von 3,4 auf 3,6 und Heusenstamm sogar stark von 3,1 auf 3,5.


Übersicht Landkreis und Stadt Offenbach

In Rodgau werden fehlende geeignete Abstellanlagen, geeignete Führungen an Baustellen (man muss hier nur an die „ewigen“ Baustellen am Bahnpfädchen in Nieder-Roden denken) und die fehlende Kontrolle der Falschparker werden am stärksten moniert, neben fehlenden guten Ampelschaltungen für den Radverkehr und einem nicht vorhandenem öffentlichen Fahrradverleihsystem.
Stärken in Rodgau sind die Fahrradmitnahme in der S-Bahn, die vielen für Radverkehr geöffneten Einbahnstraßen und die Wegweisung.
In den Kommentaren wird das Bahnpfädchen gelobt, die anderen vorhandenen schmalen Radwege kritisiert, ebenso die Führung mit Fußgängern, Poller/Pfosten auf den Wegen, ebenso wie Falschparker. Besonders gefordert wird für die Schulkinder der Radweg von Hainhausen nach Rembrücken, der auch in den Kommentaren zu Heusenstamm gefordert wird.
Ein beispielhafter Kommentar: „...Insgesamt würde ich die Situation für Fahrradfahrer in Rodgau als überhaupt nicht durchdacht und nicht fahrradfreundlich bezeichnen, besonders für Kinder und ältere Menschen. Es besteht keine Hoffnung dass sich etwas ändert, aber danke dafür, dass sich ihr Verband um Verbesserung bemüht.“

Die Stärken von Rodgau sind auch die in Heusenstamm: Fahrradmitnahme in der S-Bahn, geöffnete Einbahnstraßen in Gegenrichtung plus der guten Erreichbarkeit des Stadtzentrums und zügige Erreichbarkeit der Ziele per Rad. Die Schwächen liegen beim Winterdienst, Fahrradverleihsystemen, Falschparkerkontrollen. In den Bewertungen und Kommentaren gibt es
oft widersprüchliche Aussagen. Einige Pendler stören sich eher an Querungen außerorts und finden es in Heusenstamm prima, andere ärgern sich eher in Heusenstamm. Besonders die Schutzstreifen in der Frankfurter Straße finden oft Erwähnung – sie werden anscheinend oft zugeparkt/zugestellt zudem würden Radfahrer bei der Parkplatzsuche von Kfz-Lenkern übersehen.
Kritisiert werden auch nicht auf den Radverkehr reagierende Induktionsschleifen (Wildhofkreuzung) sowie die mangelnde Qualität mancher Wege außerorts (Schotter, Steinwege, Steingeröll), sowie manche fehlende Radwege in die Nachbarorte (Dietzenbach, Neu-Isenburg und
Rodgau sowie von der Wildhof-Kreuzung nach Steinberg). Auch die fehlenden guten (ADFC-
empfohlenen) Fahrradabstellanlagen vor Nahversorgern wird kritisiert, ebenso der nicht sichtbare Einsatz des ADFC in Heusenstamm für bessere Bedingungen für den Radverkehr.
Hier ein treffender Kommentar: „Gute Ansätze der Fahrradförderung in der Vergangenheit stagnieren im Augenblick.“ (vielleicht der Grund für den „Absturz“ in der Bewertung?) sowie „Jenseits der Frankfurter Straße ist es deutlich angenehmer zu radeln und an den Wegen im Wald und durch die Felder gibt es nichts auszusetzen. Innerstädtisch ist alles viel zu sehr auf die Autofahrer ausgerichtet.“

Obertshausen konnte sich ganz leicht verbessern. Die gute Erreichbarkeit des bzw. der Stadtzentren, die gute Wegweisung für den Radverkehr sowie die gute Mitnahmemöglichkeit des Fahrrades in der S-Bahn sind die Stärken in Obertshausen, die Schwächen die mangelnde Kontrolle der Falschparker, kein Fahrradverleihsystem und besonders die schlechte Führung an Baustellen.
Die Kommentare sind wie die Bewertungen auch in Obertshausen sehr widersprüchlich. Die einen finden Tempo30 in den Wohngebieten gut und meiden die Ortsdurchfahrten. Die anderen kritisieren, dass sie auf den Ortsdurchfahrten „bedrängt“ und „gefährdet“ werden: „Hinweis: In unserer Stadt herrscht überwiegend (bis auf eine Straße) Tempo 30, somit ist es jederzeit möglich, als gleichberechtigter Verkehrsteilnehmer unterwegs zu sein.“ und „Die Durchgangsstraße ist für
Radfahrer unbenutzbar. Über Umwege sind alle Ziele erreichbar. Konflikte zwischen Rad- und Autofahrern gibt es regelmäßig wo Radwege abrupt enden.“ und “Obwohl seit einem starken Jahr ein Bürgermeister mit grünem Parteibuch amtiert, habe ich nicht den Eindruck, dass die Radverkehrsförderung in Obertshausen einen nennenswerten Stellenwert hat.“

Fazit: in allen drei Städten sind die Radverkehrsanlagen „in die Jahre“ gekommen und schon länger hat sich nichts mehr für den Radverkehr getan. Doch gerade der Fahrradklima-Test zeigt,
dass Städte, bei denen Radverkehr „Chefsache“ ist, große Sprünge nach vorne machen können. Zudem sind alle drei Städte nun Mitglied der „Arbeitsgemeinschaft Nahmobilität“ (AGNH). Als ADFC haben wir die große Hoffnung dass die „Aufholer-Städte“ bei der Radverkehrsförderung in Hessen (wie Baunatal, Marburg, Offenbach und Hanau) die anderen mitziehen und das Land Hessen genügend Mittel für gezielte Förderung bereitstellt. Auffallend ist auch, das gestiegene
Sicherheitsbedürfnis, so dass Rad fahrende nun wieder mehr Wert auf Trennung vom Kfz-Verkehr legen, lieber die viel zu schmalen und untauglichen Radwege nutzen oder auch den Gehweg als die Fahrbahn. Viele wissen zudem nicht, dass Radwege ohne Radweg-Schild weiter Radwege sind (wenn diese als solche erkennbar sind) – nur ohne Benutzungspflicht. Allerdings erhoffte man sich damals (1998), dass die Städte die vorhandenen Radwege sukzessive verbessern oder abschaffen und durch etwas Besseres ersetzen würden. Doch das ist leider nicht geschehen. Grund genug für den ADFC, radverkehrspolitisch in den drei Städten in diesem Jahr mehr Flagge zu zeigen. Dazu passt auch prima die Aktion „Fahrradland Deutschland – Jetzt!“ bis zur Bundestagswahl.

Weitere Infos hier, MitstreiterInnen sind willkommen.
Stefan Janke, AG Radverkehr und Verkehrspolitischer Sprecher ,
Tel. 06106-826408, Mobil 0160-4891350, Email stefan.janke@adfc-rodgau.de

www.radlandjetzt.de
www.radlandjetzt.de

.